Jayce: Für sie alle!

Kaum einer kannte die unterirdischen Tunnel und Gänge in und um Elysias so gut, wie der ehemalige Kommandant dieser Stadt. Und auch, wenn sich viel verändert hatte, seit Jayce vor über einem halben Jahr fortgegangen war, so waren diese doch geblieben – wenn nicht sogar noch weiter ausgebaut worden. Anders wäre es ihm wohl kaum gelungen, unbehelligt bis an die Stadtmauern heranzukommen und sich schließlich mit Simmons‘ Hilfe durch einen Seiteneingang Zugang zu verschaffen. Henry Simmons, diese treue Seele! Nicht nur dieses eine Mal wäre Jayce ohne seinen Freund und Landsmann wohl rettungslos verloren gewesen. Als Anführer von Jayce‘ persönlicher … nun, nennen wir es einmal ‚Leibwache‘, hatte Simmons schon immer enge Kontakte zur Stadtwache gepflegt und von Zeit zu Zeit auch die eine oder andere Einheit seiner Männer zur Unterstützung abgestellt, vor allem dann, wenn die Stadtwache nicht unbedingt unter eigenem Namen operieren wollte … Mehr musste man wohl nicht wissen, um zu verstehen, dass es ein Leichtes für Simmons war, unter anderem hier und da einmal Personen oder auch Dinge nach Elysias ein- oder auszuschleusen. Schon bei Kerike war er es gewesen, der inmitten gefährlichster Unruhen dafür gesorgt hatte, dass sie die Stadt unbeschadet hatte verlassen können. Hätte er es doch lieber nicht getan …

Doch das lag heute weit zurück und Jayce wusste sehr genau, dass er nicht Simmons die Schuld für Kerikes Verschwinden in die Schuhe schieben konnte. Genauso wenig, wie für die Ereignisse danach. Wie lange brauchte ein Mann Zeit für sich allein, um mit all diesen Dingen fertigzuwerden, um Antworten zu finden, die ihm wenigstens zum Weiterleben reichten? Wie lange brauchte ein Mann, um sich selbst zu vergeben; sich mit seiner Schuld zumindest soweit zu arrangieren, dass sie ihm nicht in jedem einzelnen Augenblick seines Lebens die Luft zum Atmen abschnürte? Wie lange brauchte ein Mann, um trotz des erdrückenden Gewichts der Gewissheit, des Unwiderruflichen, wieder aufrecht stehen zu können? Monat um Monat war ins Land gezogen, während Jayce verbissen und verzweifelt auf der Suche gewesen war, auf der Suche nach dem einzigen, kleinen Stückchen Wahrheit und unbedarfter Liebe in seinem Leben, welches ihm auf solch dramatische Weise abhanden gekommen war. Er selbst hatte alles zerstört, was je wirklich von Bedeutung gewesen war; nachdem er Kerike vertrieben und seinen Freund Abbas getötet hatte, von der Dämonin hämisch für all das verlacht, war seine ganz persönliche Niederlage besiegelt gewesen. Jayce war immer ein Mann mit Prinzipien gewesen; ein Mann mit einer harten Schale, loyal bis in den Tod. Um keinen Preis hätte er Elysias je im Stich lassen wollen, schon gar nicht auf jene Weise, wie es letztendlich doch geschehen war. Aber Kerike hatte den Panzer des Kommandanten aufgebrochen, sie hatte sein Herz freigelegt. Und all die Geschehnisse hatten ihm vor Augen geführt, dass er am Ende doch nur ein Mensch war. Schwach, verletzlich, schuldig. Und voller Zweifel.

Es war vermutlich nicht die beste Idee gewesen, nach Elysias zurückzukehren. Ganz besonders nicht nach allem, was er in den letzten Monaten gelernt und erfahren hatte. Jayce wusste, er setzte sein Leben aufs Spiel. Er brauchte sich nichts vorzumachen; dass Simmons immer noch zu ihm hielt, war reines Glück, und dafür war er mehr als nur dankbar, doch selbiges konnte er von sonst niemandem mehr erwarten. Allein in seiner eigenen Villa war er immer noch willkommen; Ljudmilas Wangen hatten vor Schreck und Freude zugleich wie reife Kirschen geleuchtet, als er nach Hause gekommen war. Sie hatte eine Schüssel mit dampfender Suppe fallen lassen und Jayce mit einem halb erstickten „Miester Färgasson!“ in ihre kräftigen Arme gezogen, dass ihm kurz die Luft weggeblieben war. Selbst der Butler Stefan tat immer noch unbeirrt seinen Dienst und auf seiner sonst so unbeweglichen Miene hatte sich gar ein Lächeln abgezeichnet, als er seinen Dienstherrn nach all der Zeit wieder begrüßen durfte. Simmons hatte sich während Jayce‘ Abwesenheit wirklich um alles gekümmert; selbst die von Vandalen eingeworfenen Fenster hatte er reparieren lassen, und es war beinah, als wäre er nie weggewesen.

Also hatte er sich ein paar Tage lang in seiner Villa aufgehalten; selbst den Garten betrat er eigentlich nur noch nachts, um nicht gesehen zu werden. Doch allen war klar, dass das nicht ewig so weitergehen konnte. So schön es auch war, von Ljudmilas Kochkünsten verwöhnt und durch ihre Herzlichkeit bemuttert zu werden, so schön auch all die Annehmlichkeiten waren, auf die er so viele Monate hatte verzichten müssen, das alles war nicht der Grund, weshalb Jayce zurück gekommen war. Geschützt hinter verhangenen Fenstern und von seinen Wachen, die auf dem gesamten Anwesen patrouillierten, konnte er sich vielleicht eine Weile vormachen, dass alles gut war – doch die Stille im Haus erinnerte ihn mehr als alles andere daran, dass das Ende der Geschichte noch lange nicht geschrieben war. Er hatte zu viel gesehen, zu viel erlebt auf seiner langen Suche nach Kerike, als dass er dieses Schweigen noch länger dulden konnte. Aus Jayce Fergusson war ein anderer Mann geworden; einer, der die Missstände nun wirklich kannte, der sie am eigenen Leib erfahren hatte und dessen Herz so viele hundert Male gebrochen war, dass er irgendwann beschlossen hatte, wieder aufzustehen und zu kämpfen. Mehr als jemals zuvor, für Kerike, für Abbas. Für sie alle.

Ethan & Tamsyn: Lüge!

Die Kopfschmerzen setzten wie das Amen im Gebet ein, ich blieb am Waldrand zurück, presste zwei Finger gegen die hämmernde Stirn. Scheiße! Nur langsam dämmerte mir, was ich da eigentlich gerade zu hören bekommen hatte – diese Frau war eine eiskalte Mörderin! Und ich … hatte natürlich nichts besseres zu tun, als sie zu trösten, ja, ihr sogar meine Hilfe bei weiß Gott was anzubieten. Jetzt hing ich mitten in der Scheiße mit drin, drauf und dran, mich zum Mittäter zu machen.  Und das alles nur, weil ich Frauen nicht weinen sehen konnte. Noahs unerwarteter Auftritt musste mir gehörig den Verstand vernebelt haben!

Ich blickte auf, als Tamys Stimme vom Haus her erklang. Diese Nacht? Diese eine Nacht? Verdammt, diese eine Stunde mit ihr war schon zu viel gewesen, ich … Eigentlich wollte ich das alles gar nicht wissen! Ich verfluchte mich innerlich für das, was ich angefangen hatte und jetzt würde ich einiges darum geben, ich hätte es nicht getan. Sie gehörte ganz eindeutig hinter Gitter, nicht hierher … Warum zum Teufel war sie überhaupt noch auf freiem Fuß? Selbst aus der Ferne konnte ich das leuchtende Türkisblau ihrer Augen erkennen, das vom Weinen gerötete, so bezaubernd schöne Gesicht. Mein Gott … Sah so eine Frau aus, die ihren Gefährten kaltblütig ermordet hatte? Und war ich wirklich so bescheuert, allein dieses Anblicks und des herzerweichenden Flehens in ihrer Stimme wegen darüber nachzudenken, ein sehr viel stärkeres Echo zu riskieren? Einmal ganz davon abgesehen, dass ich mich gerade selbst schon wie ein verdammter Verbrecher fühlte, nur weil ich jetzt wusste, was ich wusste.

Scheiße nochmal, das hier war eindeutig zu heiß für mich. Ich musste die Finger davon lassen! „Diese eine Nacht“, hörte ich mich sagen, als ich mich mit wummerndem Schädel in Bewegung setzte, um ihr ins Haus zu folgen. „Und nur diese eine.“ Denn morgen würde ich persönlich dafür sorgen, dass sie sich für das, was sie getan hatte, stellte.

*****

Mehr brauche ich nicht, dachte ich in dem Moment, als Ethan mir antwortete und ins Haus folgte.

Nur diese eine Nacht …  Lüge! Ich belog mich selbst in dem ich mir einzureden versuchte, diese eine Nacht würde reichen. Das würde es nicht. Niemals wieder würde eine Nacht reichen.

Ich ahnte nichts von seinen Gefühlen und Gedanken. Verschwendete keine Sekunde daran, dass es  zu viel für ihn sein könnte. ICH zu viel für ihn sein könnte. Vielleicht war ich egoistisch, aber …  hatte ich nicht auch ein Recht darauf einmal zur Ruhe zu kommen? Nur ein einziges Mal noch, bevor die Vergangenheit mich im Hier und Jetzt einholte? Wusste irgendjemand, wie es sich anfühlte, die Flut näher kommen zu sehen?  Unfähig sich zu bewegen; zu wissen, dass man gleich ertrinken würde. Jeden Moment ertrinken würde … Ich! Die Frau, die ihr ganzes Leben für das Wohl anderer gekämpft, die den hippokratischen Eid geleistet und nie etwas mehr in ihrem Leben angestrebt hatte, als Gerechtigkeit. ICH habe meinen Gefährten erschossen. „NEIN … es war … ein Unfall!“, rief ich meinen Gedanken laut aus, ohne mir dessen bewusst zu sein und stützte mich schwer atmend an der Hauswand ab. Kalter Schweiß trat auf meine Stirn, während mein Atem nur noch stoßweise ging. Es war wieder mal so weit. Meine Dämonen hatten mich eingeholt. Wie jede Nacht. Immer zur gleichen Zeit. Die Sicht verschwamm vor meinen Augen. Alles, was ich jetzt noch erkennen konnte, war das Gesicht meines Gefährten. Seine vor Überraschung und Schmerz geweiteten Augen. Dieser Blick … Niemals werde ich diesen letzten Blick wieder aus meinen Erinnerungen verbannen können. „Es … war ein Unfall …“, versuchte ich mir selbst einzureden. „Ein … Unfall!“, stammelte ich und rutschte langsam an der Wand nach unten. Auf dem Boden kniend, grub ich meine Finger fest in den gefrorenen Untergrund. Versuchte mich zu erden. Halt zu finden. „Hilf mir … bitte … Mach, dass es aufhört!“, flehte ich Ethan an. „Nur diese eine Nacht. Versprochen.“

Lüge…,  flüsterte die Stimme in meinem Kopf …

Lüge…  Du bist eine Lügnerin … Eine Verräterin …  Eine Mörderin …

[Textabschnitt (c) Nicol Stolze @ Tamsyn Matthew]

*****

Wenigstens hatte ich doch noch recht schnell gerafft, dass das Ganze hier eindeutig eine Nummer zu groß für mich war. Und genau deshalb würde ich mich schön sauber wieder aus der Affäre ziehen … spätestens bei Sonnenaufgang. Das einzig Richtige tun. Wenn Sie glaubte, ich würde einfach die Klappe halten; dass sie mich zum Komplizen machen konnte, dann hatte sich die Kleine ganz schön geschnitten, soviel war klar! Ja, vielleicht hätte sie mir diese ganze Sache nicht unbedingt erzählt, hätte ich nicht auf meine gedankenlos charmante Art ein bisschen nachgeholfen. Aber sollte ich deshalb nun etwa ein schlechtes Gewissen haben? Wie zum Henker hatte ich denn ahnen können, WAS da hinter der makellos schönen Fassade steckte, hinter diesen Augen …

Ein Unfall … Mein Gott, ich wurde die gedankliche Vorstellung in meinem Kopf nicht mehr los – sie hatte eiskalt auf ihn angelegt, hatte abgedrückt, wieder und wieder und wieder …  Meine Schritte beschleunigten sich von selbst, als ich sie verzweifelt an der Hausmauer zusammensinken sah. Ich konnte mir das einfach nicht mit ansehen! Vielleicht war doch etwas Wahres dran, vielleicht …  Zum Teufel, ich wollte ihr diese eine Nacht geben. Was war auch schon eine einzelne Nacht? Gar nichts. Und wenn es ihr diese paar Stunden lang Erleichterung verschaffte, dann war es doch irgendwie auch eine gute Tat, oder? Lüge …, flüsterte etwas in meinen Gedanken, das ich schnell wieder verdrängte, während ich mich zu ihr hinunter beugte, sie sanft hoch und schließlich auf meine Arme zog. Lügner. Warm drückte ich das zitternde Bündel an meine Brust, als ich sie ins Haus zurück trug.

Sean: So finster die Nacht …

Ich hielt mich schon den ganzen Abend im Hintergrund und war darauf bedacht, Cath möglichst viel Freiraum zu lassen. Wenn sie etwas brauchte, musste sie mich nur fragen und ansonsten verhielt ich mich schweigsam; saß auf einem Stuhl in einer unbeleuchteten Ecke, blätterte in der aktuellen Ausgabe des Forbes Magazine, eine schwere Beretta griffbereit im Brustholster und warf ab und zu einen Blick auf die sich schlaflos hin und her wälzende Frau im Bett neben mir. Die Tatsache, dass ich mich auf Kalebs Anweisung hin die ganze Zeit in ihrem privaten Wohnbereich aufhielt, um stets in ihrer Nähe zu sein, sollte möglichst nicht zu einer zusätzlichen Belastung für sie werden. Ich sah ihr nur zu deutlich an, wie sehr die Schwangerschaft an ihr zehrte; die dunkler werdenden Augenringe, der müde Blick und die fahle Farbe ihrer Haut sprachen in letzter Zeit für sich. Es schmerzte mich, sie so zu sehen – und nicht nur einmal hatte ich mich gefragt, ob ihr Körper zwei so dermaßen beschleunigte Schwangerschaften innerhalb kurzer Zeit überhaupt verkraften konnte.

Mein Blick folgte ihr besorgt, als sie schließlich aus dem Bett glitt und unruhig durch den Raum ging; das aufgeschlagene Heft auf meinem Schoß war vorübergehend vergessen. Doch Cath war eine ausgesprochen starke Frau, die bisher alle Herausforderungen gemeistert hatte. Es würde nicht mehr lange dauern, dann hätte sie auch die Geburt von Kalebs Sohn überstanden und konnte wieder zu Kräften kommen. Sogar jetzt, in diesem geschwächten und hochschwangeren Zustand, war sie wunderschön; ich konnte mir nicht vorstellen, dass es eine zweite Frau auf dieser Welt gab, die ihren Kugelbauch auch nur annähernd so anmutig vor sich her trug wie sie. Wie so oft ruhte mein Blick auf ihrer schmalen Silhouette, als sie reglos und mit dem Rücken zu mir am Fenster stand, sanft beschienen von den vielfältigen Lichtern der Nacht, die draußen über Boston lag. Dort, wo ihre warme Hand das Fenster berührte, beschlug es leicht und zeichnete so die Konturen ihrer viel zu knochigen Finger auf das Glas. Ich konnte ihre wachsende Anspannung beinah fühlen; nahezu greifbar schwebte sie in der nächtlichen Stille des Schlafzimmers. Und da war noch mehr; so vieles, was ich mit meinen vampirischen Sinnen wahrnahm, wenn ich es nur zuließ. Ihr schwacher, würziger Duft, der aufgewühlte Herzschlag; Atemzug um Atemzug, jeder davon fast ein wenig mühsam. „Wenn du hier bist … wer achtet dann da draußen auf meinen Gefährten, Sean …“, durchbrach Caths Stimme das Schweigen, und ich runzelte besorgt die Stirn.

Bereits seit Tagen versuchte ich, möglichst viel Gelassenheit auszustrahlen; ihr keinen auch nur geringen Anlass zur Sorge zu geben. Sie war hochschwanger und völlig erschöpft; jede Aufregung wäre pures Gift für sie und das ungeborene Kind. Aber das änderte alles nichts daran, dass ich ihr insgeheim zustimmen musste. Ich wusste, dass Kaleb im Augenblick an etwas sehr Großem dran war, etwas das, wenn heute Nacht alles gut ging, dem Orden einen ersten schweren Schlag mitten in die Weichteile versetzen würde. Wir hatten schließlich lange genug darauf hingearbeitet. Und dass ich hier war, anstatt mit ihm dort draußen zu sein; dass ich seine Gefährtin bewachte, hier, in einem Gebäude, das mit der ausgeklügeltsten Sicherheitstechnik in weitem Umkreis ausgestattet und somit jedem Hochsicherheitsgefängnis weit überlegen war, grenzte gewissermaßen an Paranoia. Und doch … An Kalebs Stelle hätte ich vermutlich auch nicht anders gehandelt. Ich erhob mich, legte die Zeitschrift beiseite und trat zu Cath. Meine Hand legte sich warm auf ihre Schulter und ich begegnete dem Blick ihres Spiegelbilds in der weitläufigen Glasfläche vor uns. „Mach dir keine Sorgen, Cath. Er hat seine besten Männer dabei, und er weiß sehr genau, was er tut.“

Ich trat zwei Schritte zurück, als sie sich zu mir umwandte; begegnete ihr mit einem zuversichtlichen Lächeln. Mein Gott, aus der Nähe erkannte ich erst, wie müde sie wirklich war. Kaleb sollte besser schon recht bald wieder zurück sein; sie brauchte sein Blut genauso sehr wie seine Anwesenheit, damit sie endlich für ein Weilchen zur Ruhe kam. Ich presste die Lippen aufeinander, während meine Aufmerksamkeit über die aschfahlen Züge der Frau vor mir glitt. Es war nicht das erste Mal, dass ich mir inständig wünschte, ihr beides geben zu können. „Was hat er dir gesagt, wo er heute Nacht ist?“ – Ich wich ihrem Blick aus, als sie näher kam und schüttelte langsam den Kopf. „Bitte, Cath, tu dir das nicht an.“ Doch sie ließ nicht locker. Natürlich wusste ich, wo er war – und ich wusste auch ganz genau, was er vorhatte. Vor allen Dingen aber war mir klar, mit wem er sich anlegte, und genau das war es, was meine sorgsam zur Schau gestellte Gelassenheit Lügen strafte. Ich sollte bei ihm sein. Aber gleichzeitig wollte ich auch nichts so sehr, wie hier bei Cath zu sein. Jemand musste schließlich auf sie achten, auch wenn es unwahrscheinlich war, dass sie hier im Tower in Gefahr geriet. Aber genauso gut konnte sie plötzlich die Wehen bekommen oder es konnte etwas mit dem Kind sein – oder aber sie brach endgültig unter der Erschöpfung zusammen, die sie so grausam zeichnete. Jemand musste sie auffangen, und dieser Jemand würde ich sein, solange Kaleb nicht in der Nähe war. „Er ist auf einer … etwas heiklen Mission“, antwortete ich ausweichend, aber so weit es ging, wahrheitsgemäß. Genauso wenig, wie ich mein Versprechen Kaleb gegenüber brechen wollte, wollte ich Cath ins Gesicht lügen müssen. „Aber wie gesagt, du musst dich nicht sorgen. Es ist alles von langer Hand geplant und vorbereitet. Er wird sich nicht mehr als unbedingt nötig in Gefahr begeben, schon allein, weil er weiß, dass du und sein ungeborenes Kind hier auf ihn wartet. Du kennst ihn doch – Kaleb überlässt nie irgendwas dem Zufall.“

Vermutlich redete ich mit diesen Worten eher mir selbst ein, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gab, aber hier und jetzt war einfach auch überhaupt kein Platz dafür, meine eigene innere Unrast nach außen dringen zu lassen. Alles, was Cath brauchte, war Ruhe und ein sicheres, stabiles Umfeld. Ich legte behutsam eine Hand zwischen ihre Schulterblätter, um sie mit sanfter Bestimmtheit zurück zum Bett zu führen. „Komm, Cath … setz dich doch wenigstens. Du siehst müde aus. Und hör auf, dich mit solchen Gedanken zu quälen. Kaleb ist doch bisher immer zu dir zurückgekehrt, warum sollte es ausgerechnet heute anders sein?“

Neferu-Ptah: Gebrandmarkt

So mochte allein das Wissen darüber, was von ihr erwartet wurde, Neferu-Ptah dazu zwingen, langsam zu nicken, nachdem Cheftu sie gefragt hatte, ob sie die Male sah und sie ballte ihre schmalen, kleinen Hände zu zittrigen Fäusten, während sie gegen die Furcht ankämpfte, den Körper aufrichtete und das Kinn hob, wie die Priesterinnen es sie gelehrt hatten. Trotz stieg mit einem Mal in ihr auf – sie konnte sowieso nicht fliehen, war gefangen wie ein Kaninchen in der Falle und von allen Seiten angestarrt. Dann würde sie es eben allen zeigen! Die kleine Herrin konnte nichts gegen die Angst ausrichten, die ihr die Knie weich werden ließ, doch sie würde sie um keinen Preis zeigen. Sie zog die Nase hoch und blinzelte die Tränen weg, dann folgte sie Cheftu, den Blick stur auf den Ifrit geheftet, als würde sie ihn als ihr unausweichliches Schicksal akzeptieren, auch, wenn sie schon jetzt wusste, dass sie ihn noch viel mehr fürchtete als Cheftu – und außerdem hasste sie ihn. Als würde der Dämon ihre Empfindungen erwidern, begann dieser plötzlich an seinen Ketten zu zerren und der gesamte Palast erzitterte erneut, nur, dass die kleine Herrin und alle Anwesenden sich nun im Epizentrum des Bebens befanden. Sie schrak trotz aller guten Vorsätze zurück, blieb stehen und rang sowohl um ihr Gleichgewicht, als auch um ihre Fassung, als die Angst ihr erneut die Kehle zuschnürte. Atme, kleine Herrin, konzentriere dich auf deine Atmung, erklang die Stimme der Hohepriesterin in ihrer Erinnerung und Neferu-Ptah klammerte sich an dieses kleine Ritual, von dem die Priesterinnen der Isis ihr gesagt hatten, sie könne jedesmal wieder darauf zurückgreifen, wann immer ihr ein Hindernis unüberwindbar erschien oder Furcht sie in ihren Entscheidungen einschränkte. Die tiefe Atmung in die Körpermitte hinein, dorthin, wo die Kraft der Sonne ruhte, stärkte und nährte den Körper, klärte den Geist und die Sicht auf die Dinge, so dass man mutig und frei voranschreiten konnte. Cheftus Warnung kam im selben Moment und die kleine Herrin nickte erneut langsam, dann ging sie entschlossen weiter.

Der Blick des Ifrit schien sich bis in Neferu-Ptahs noch kindliche Seele hineinzufressen und seine Worte dröhnten, grollten, loderten wie ein verzehrender und erschütternder Nachhall in ihr. Noch einmal wanderte der Blick der kleinen Herrin hilfesuchend gen Cheftu, als der Dämon von ihr verlangte, vor ihm niederzuknien. Es war nicht einfach für ein junges Mädchen, sich der herrischen Befehle eines solch machtvollen Wesens zu widersetzen und mit jedem Wort schürte er ihre Angst nur noch mehr, bis sie glaubte, ihr nicht mehr gewachsen zu sein. Doch Cheftu blieb unnachgiebig, ebenso wie der Dämon. Sie schluckte. Allein der Totenbeschwörer würde ihr Zittern spüren, sobald sie ebenfalls nach dem Brandeisen griff und sich über den tobenden Ifrit beugte, während Cheftu bereits die Formeln murmelte. Die kleine Herrin fühlte sich wie ein filigraner Zweig, welcher zwischen zwei Elementen erbarmungslos zerbrochen wurde. In all der Hitze perlte längst Schweiß auf ihrer Stirn und tränkte einzelne, samtig schwarze Haarsträhnen; gleichwohl aber war ihr tief im Innersten eiskalt. Am liebsten hätte sie die Hände hochgerissen und auf ihre Ohren gepresst, die Augen fest zugekniffen und sich vorgestellt, all dies hier sei nur ein übler Traum, aus dem sie jeden Moment wohlbehütet erwachen würde. Doch sie konnte, durfte es nicht. „Bleib stark, Prinzessin!“, hörte sie Amenemhet III. liebevoll und erfüllt von zufriedenem Stolz flüstern, als das Eisen sich qualmend in die Brust des Ifrit brannte, zugleich mit dessen Blick, einem glutvollen Dolch gleich, dunkler noch als des Mädchens eigene furchterfüllte Schwärze, der widerstandslos Neferu-Ptahs Seelenspiegel durchstach und sie von innen heraus zu entflammen schien. Es mochte der Moment sein, in dem die kleine Herrin ihre Kindheit und Unschuld endgültig und für immer hinter sich ließ.

Basmah: Um keinen Preis!

Ich konnte den Blick des Mannes, der mir an dem kleinen Holztisch gegenüber saß, wie eine brennende Lunte über meinen Scheitel ziehen spüren, während meine Finger eine um die andere Zeile auf dem Schriftstück entlang fuhren, das vor mir lag. Inzwischen hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren – ein Zustand, den ich leider schrecklich gut kannte und der so typisch für diesen Ort ohne Licht und ohne Leben war. Und ich war mir beinah sicher, dass ich hier unten, metertief unter der ahnungslosen Stadt, auch tatsächlich nie eine Uhr gesehen hatte. Es mochte sich verrückt anhören, und vielleicht war es das auch, aber noch vor wenigen Wochen hätte ich nahezu alles nur für eine einzige Konstante wie das beständige Ticken einer Uhr in der absoluten, zeitlosen Dunkelheit meiner Zelle gegeben; ich hätte die Sekunden gezählt, mich an jedem noch so winzigen Beweis dafür festgeklammert, dass die Welt dort draußen sich immer noch drehte. Doch da war nichts gewesen, nichts, außer diesen kalten, rohen Betonwänden und dem nackten Boden, auf dem ich mir die Hände und Knie wund geschürft hatte, blind vor mich hin tastend. Und da war auch kein Geräusch gewesen, außer meinem eigenen keuchenden Atem, dem wummernden Herzschlag, meinem heiseren, tränenlosen und ungehört verklingenden Schluchzen.

Monate … Monate meines Lebens hatte ich dort in der Finsternis der winzigen Zelle für immer verloren; eingesperrt, gefangen in mir selbst, jeglicher Sinneseindrücke, jeglicher Beschäftigungsmöglichkeit beraubt, bis mein Verstand nur noch haltlos durch die Leere getrieben war. Und alles, was ich als Wiedergutmachung bekam, stand hier, auf diesen paar dicht beschrifteten Blättern Papier. Anfangs hatte ich gebetet, dann angefangen zu zählen, doch Hunger, Erschöpfung und die immer größer werdende Angst hatten mich den Faden verlieren, mich zitternd in der Ecke kauernd eindösen und schweißüberströmt, panisch wieder aufschrecken lassen.
Minuten, Stunden, Tage, Wochen – irgendwann war alles gleichbedeutend und … gleich bedeutungslos für mich geworden. Das Einzige, woran ich mich noch einigermaßen klar erinnern konnte, waren die Episoden plötzlichen, grell blendenden Lichts, die schwarz gekleideten Männer, die mich aus der Zelle und durch dunkle Flure gezerrt hatten, die fremden Stimmen, die vielen Fragen, immer und immer wieder dieselben Fragen, und dann … der Schmerz. Oh ja, an diese Schmerzen erinnerte ich mich von allen Dingen, die mir hier, in diesem unterirdischen Bunker widerfahren waren, am besten. An die Schmerzen und das Blut. Und die Schläge. Das Funkeln von Metall in dem Licht, das von vorn direkt auf mich gerichtet war und mich blendete, so dass ich mit tränenden Augen kaum Umrisse hatte erkennen können. Umrisse, Schemen. Keine Gesichter. Und Glut. Heiß glühendes Etwas, in meine Haut gebrannt. Meine Hand?

Immer noch unbewusst schützend lag die Linke zu einer lockeren Faust gekrümmt auf meinem Schoß, während ich mit fest zusammengepressten Lippen die Tränen wegblinzelte, die mir wie Säure in den Augen brannten. Nein, um keinen Preis der Welt würde ich vor diesen Männern noch einmal Schwäche zeigen! Ich bemühte mich, den vielen Text zu lesen; die immer noch ungewohnten westlichen Schriftzeichen in einen für mich nachvollziehbaren Kontext zu bringen. Mir war bewusst, wie immens wichtig es war, die Auflagen und Bedingungen zu verstehen, ja, zu verinnerlichen, die mir gestellt wurden. Der Job, der mir angeboten wurde, die kleine Wohnung, das Aufenthaltsrecht – das alles waren Zugeständnisse, die nicht annähernd wieder gutmachen konnten, was man mir angetan hatte; dass brutal und gewissenlos gegen Menschenrechte verstoßen worden war. Die für mich erst galten, sobald ich unterschrieb. Sie waren lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein, die Sicherung von absoluten Grundbedürfnissen, damit ich überhaupt eine Chance auf ein eigenständiges Leben hier im gelobten Land Amerika hatte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So ungerecht es sich auch anfühlte, ich wusste zugleich, dass ich keinerlei Ansprüche zu stellen hatte. Man hatte mir bereits nur zu deutlich klar gemacht, dass ich, würde ich mich entscheiden, doch nicht zu unterzeichnen, schon morgen der Ausländerbehörde übergeben und binnen Wochenfrist zurück nach Pakistan abgeschoben werden würde. Was einem Todesurteil gleichkam, nur, dass die Amerikaner dabei dieses Mal ihre Hände in Unschuld waschen konnten.

Mit klammen Fingern griff ich nach dem Kugelschreiber, der fast schon mahnend bereit lag. „Sie können sich zuhause nochmals alles ganz in Ruhe durchlesen, Miss El Sayed“, wiederholte der Mann mir gegenüber zum gefühlt zehnten Mal an diesem Abend, und versuchte, dabei immer noch geduldig und beruhigend zu klingen. Geheimhaltungspflicht … Schweigepflicht … Wahrheitspflicht … Uniformpflicht … Kontaktverbot zu meiner Familie … Kontaktverbot nach Pakistan allgemein … Kontaktverbot zu islamistisch-arabischstämmigen Familien und Gruppierungen innerhalb der USA … Verbot des Tragens und Gebrauchs von Schusswaffen … Pflicht zur Mitführung der Dienstmarke … regelmäßige Meldepflicht … regelmäßige psychologische Gutachten … regelmäßiger Besuch von Eingliederungsseminaren … Verbot von Nebenbeschäftigungen … Die Liste schien kein Ende zu nehmen, und noch hatte ich sie nicht einmal bis zur Hälfte durch. Doch die Erinnerung an all das, was hier geschehen war – und womöglich sogar in ein und demselben Raum, in dem ich gerade saß, schien mit jedem Augenblick, den ich mir mehr Zeit ließ, nur noch schwerer auf mir zu lasten. Auch wenn ich meine Angst nicht zeigte, so dröhnte mir doch längst der eigene Herzschlag in den Ohren und machte es mir immer schwerer, mich zu konzentrieren. Ich wollte einfach nur noch raus hier, wieder atmen können, atmen und rennen, bis ich den Horizont erreichte! Das Licht schien zu flackern, die Wände schienen immer näher zu rücken … Innerlich schaudernd blätterte ich bis zur letzten Seite und setzte den Stift an, als …

… sich die Tür öffnete. Ich hob den Kopf, als sich schwere Schritte näherten; unwillkürlich schlug mein Puls einen noch hektischeren Takt an. Ganz automatisch erhob ich mich von meinem Stuhl, trat einen Schritt zur Seite, als ich zwei Männer erkannte – den einen, der mich aus dem Krankenhaus geholt hatte – ich glaubte mich daran zu erinnern, dass jemand ihn Erik genannt hatte – und einen größeren, breiter gebauten, den ich noch nie gesehen hatte. Ich verbarg mein Unbehagen, als der Blick des Großen unverhohlen an mir entlang glitt, machte lediglich noch einen Schritt rückwärts, so dass ich wenigstens hinter dem Stuhl stand und legte die Hände auf die Lehne, froh, mich daran festhalten zu können. „… darf ich Ihnen CLAY vorstellen!“ Eriks theatralischer Tonfall gefiel mir nicht, auch wenn ich für den Augenblick nicht hätte sagen können, was genau dieses Gefühl in mir auslöste. Wie hätte ich auch ahnen sollen, welche Lügen sie dem Mann aufgetischt hatten, dessen graublaue Augen nun so direkt auf mich gerichtet waren? „Das hier ist Clay Chandler. Er wird Ihnen die Eingewöhnungsphase erleichtern und Sie natürlich dabei unterstützen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Langsam glitten meine Finger um die oberste Querstrebe an der Lehne, ballten sich meine Hände um das glatte, lackierte Holz. Man … gab mir einen Aufpasser? Nur ganz leicht gestattete ich meinen Augenbrauen, sich zueinander zu bewegen. Ganz gleich, wie blumig Erik es auch ausdrückte, ich verstand sehr genau, wovon er da gerade sprach. Sie nahmen mir die Luft zum Atmen, noch bevor ich meine angeblich neu gewonnene Freiheit überhaupt hatte kosten können! Und nun sollte ich mir auch noch von diesem … diesem Fremden meine Entscheidungen diktieren lassen? Unwillkürlich hatte sich mein Atem beschleunigt, kämpfte aufwallender Widerstand gegen die Enge in meiner Brust, doch ich biss mir so fest auf die Unterlippe, dass alles Blut daraus wich, nur, um kein Wort der Erwiderung hervor dringen zu lassen.

Und ich hielt dem Blick des großen Mannes stand, ja, hob mein Kinn sogar noch etwas mehr an; ich würde keine Furcht zeigen, ganz gleich, wie sehr mich die Vorstellung aufwühlte, mich in seiner Nähe aufhalten zu müssen, und sei es … doch sicherlich nur hier, an meinem zukünftigen Arbeitsplatz … und dabei diesen intensiven, exotischen, durchdringenden Augen ausgesetzt zu sein.
„مرحب به Shirin Basmah.“

Bei Allah … warum fühlte sich dieses Willkommen nur so unendlich falsch an? Die Dunkelheit in seiner Stimme, kombiniert mit der nahezu akzentfreien arabischen Aussprache jagte mir einen Schauder das Rückgrat herab; ich öffnete leicht die Lippen, als ich meinen Blick von ihm los riss, die Lider sittsam über die dunklen Iriden senkte. Allah? Wenn dieser Mann des Arabischen mächtig war, dann beherrschte er womöglich auch die davon abgewandelten Sprachen aus meiner Heimat. Würde er also überprüfen, ob meine Übersetzungen bei den Verhören akkurat waren? Ob ich Fehler machte? Jemanden unbewusst übervorteilte, etwas falsch interpretierte? Mehr denn je fühlte ich mich unter Druck gesetzt, fühlte ich Panik in mir aufsteigen, Panik und Zweifel, ob ich alledem wirklich gewachsen war.

„السلام عليكم, Mr. Chandler“, erwiderte ich schließlich, das Zittern in meiner Stimme mühsam unterdrückt, und hoffte, dass er und all diese Männer hier es wörtlich nahmen. Friede, das war alles, was ich wollte – Allah sollte mir beistehen, dass mir niemals jemand etwas anderes unterstellen und ich wieder in diesem dunklen Loch landen würde.
„Miss El Sayed.“ Der Mann mir gegenüber, der immer noch auf seinem Stuhl saß, pochte ungeduldig mit dem Zeigefinger auf die Tischoberfläche, oder genauer gesagt, auf die Stelle des Papiers, an der immer noch meine Unterschrift fehlte. „Vergessen Sie nicht zu unterschreiben.“ Wie könnte ich. Sehr langsam beugte ich mich nach vorne, mir der Blicke aus drei Augenpaaren sehr wohl bewusst, am meisten jedoch des einen, graublauen. Und dann unterschrieb ich. „Sehr schön.“ Seltsam, es war beinah, als würde ein erleichtertes Aufatmen durch die Anwesenden gehen, als mir der Beamte das Schriftstück auch schon unter den Fingern wegzog und aufstand. „Nun, Clay, vielleicht zeigst du Miss El Sayed ja schon einmal ihren Wirkungsbereich und weist sie in die wichtigsten Gepflogenheiten ein, während ich die Schlüssel für die Wohnung hole“, hörte ich Erik zu meinem Bewacher sagen. Und dann, an mich gewandt: „Wenn Sie soweit sind, kommen Sie wieder zu mir. In spätestens einer halben Stunde habe ich sämtliche Zugangskarten, Ihre Dienstmarke, Sozialversicherungsnummer und diverse weitere wichtige Unterlagen für Sie. Vielleicht … nutzen Sie die Zeit auch ein wenig, um sich mit Clay bekannt zu machen.“ Damit wandten sich Erik und der Beamte um und verließen den Raum, ließen mich allein mit Chandler und seinem durchdringenden Bewacherblick. Ob er mich schon damals beobachtet, meine Schmach mit angesehen hatte? Oder gar einer der Männer gewesen war, die mir die Haut in Streifen vom Fleisch geschnitten, mich versengt, gebrandmarkt, gedemütigt hatten? Ich fühlte mich so unendlich klein unter diesem Blick, klein und elend und nackt. Aber dennoch würde ich ihm standhalten, würde ihn stolz und ungebrochen erwidern, denn niemand, niemand würde je wieder die Genugtuung erfahren, Herr über mich zu sein.

 

(مرحب به – [muˈraħħab bihi] – Willkommen)

(السلام عليكم – [as-salamu alaikum] – Der Friede sei mit Euch)